Wo Wasser fließt, sind Leben und Energie. Menschen nutzen schon seit Jahrtausenden die Kraft des Wassers in Form von Schöpfrädern und Wassermühlen. Mit der Industrialisierung und dem Ersetzen der Holzräder durch Turbinen wurde die Wasserkraft schon frühzeitig zu einer Form der Erzeugung von erneuerbarer elektrischer Energie. Sachsen gehörte damals zu den Vorreitern der Elektrifizierung in Deutschland.
Und so sind auch die sieben Wasserkraftwerke der SachsenEnergie eng mit dem Beginn der Elektroenergieerzeugung verknüpft. Die Anlagen erzeugen noch heute elektrische Energie – zum überwiegenden Teil – mit historischen Maschinen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts installiert und im Laufe der Jahre zahlreiche Wartungen und Instandsetzungsmaßnahmen erfahren haben.
Stromerzeugung/Jahr: 3,4 Mio. kwH (≈ 1.360 versorgte 3-Personen-Haushalte)
Das Wasserkraftwerk Rabenauer Grund ging 1912 ans Stromnetz. Über einen 460 Meter langen Stollen und anschließender Druckrohrleitung wird es mit Wasser aus der Roten Weißeritz versorgt. Bei Turbinenstillstand leitet ein so genanntes Wasserschloss das Wasser über die Natursteinkaskade ab, um einen Druckanstieg in der Turbine und Rohrleitung zu vermeiden. Ebenfalls fließt überschüssiges Wasser über die Stufen dieser Natursteinkaskade zurück in die Rote Weißeritz. 1991 wurde diese Wassertreppe für rund 1,5 Millionen Mark erneuert. Die beiden Turbinen von 1911 dagegen sind noch immer im Originalzustand erhalten und voll funktionstüchtig.
Zur Optimierung der Stromerzeugung wurden im Jahr 2012 die Generatoren erneuert und eine dritte Turbine integriert. Je nach Wasserangebot werden die Maschinen gleichzeitig oder wechselseitig betrieben.
Stromerzeugung/Jahr: 3,0 Mio. kwH (≈ 1.200 versorgte 3-Personen-Haushalte)
Das Wasserkraftwerk Tharandt ging 1926 ans Stromnetz. Zuvor wurde in einer Rekordzeit von nur 139 Tagen ein 3,5 km langer Tunnel durch das Felsgestein getrieben. Am 5. Dezember 1925 trafen Bauarbeiter aus Sachsen und Bayern in der Mitte des Tunnels aufeinander. Der Tunnel führt Wasser der Wilden Weißeritz aus der Talsperre Klingenberg heran. Durch Rohrleitungen fließt das im Kraftwerk genutzte Wasser zur Trinkwasseraufbereitung nach Dresden-Coschütz.
Die Turbinen in den Maschinensätzen sind im Originalzustand von 1925 erhalten und arbeiten heute mit moderner Schalt- und Steuerungstechnik. Eine Besonderheit ist, dass die ursprünglich eingebauten 2-Phasen-Synchrongeneratoren 1986 im Ständer umgewickelt wurden. Sie erzeugen jetzt die gebräuchliche 3-Phasen-Wechselspannung.
Stromerzeugung/Jahr: 3,0 Mio. kwH (≈ 1.200 versorgte 3-Personen-Haushalte)
Das Wasserkraftwerk Dorfhain wurde durch die DREWAG errichtet, als Bestandteil der Talsperrenwasserversorgung für die Landeshauptstadt Dresden. Die offizielle Inbetriebnahme erfolgte am 1. Juli 1944. Bis dahin wurde die Wilde Weißeritz mit einer Wehranlage angestaut und das Wasser durch einen Stollen in das Wasserkraftwerk Tharandt geleitet. Die Wehranlage wurde 2002 durch das Jahrhundert-Hochwasser zerstört. Die Reste wurden abgerissen und die Wilde Weißeritz erhielt ihr altes Flussbett zurück.
Das Wasser aus der Talsperre Klingenberg wird dem Wasserkraftwerk durch die Stollen 1/2 und eine 900 Meter lange, erdverlegte Treibwasserleitung zugeführt. Dank des Bruttogefälles von 58 Metern werden zwei Francis-Turbinen angetrieben. Die direkt gekoppelten asynchronen Drehstromgeneratoren haben eine Leistung von je 600 kW.
Stromerzeugung/Jahr: 1,8 Mio. kwH (≈ 720 versorgte 3-Personen-Haushalte)
Die Talsperre Lehnmühle wurde von 1926 bis 1931 als Trinkwassertalsperre erbaut. Das ab 1959 errichtete Wasserkraftwerk unterhalb des Staudammes ging 1965 ans Stromnetz. Es ist das jüngste Wasserkraftwerk der SachsenEnergie. Stahlrohre leiten das Wasser unterirdisch zur Turbine und anschließend in das Flussbett der Wilden Weißeritz zurück.
Der 3-Phasen-Synchrongenerator sitzt mit der Turbine auf einer Welle. Zur verlustärmeren Energieübertragung wird die Spannung durch einen Transformator von 0,4 kV auf 20 kV hochtransformiert.
Stromerzeugung/Jahr: 1,6 Mio. kwH (≈ 640 versorgte 3-Personen-Haushalte)
Das Wasserkraftwerk Klingenberg entstand zeitgleich mit dem Bau der Trinkwassertalsperre und ging 1914 ans Stromnetz. Durch Rohrleitungen gelangt das Wasser der Talsperre in die Turbine. Nach Verlassen des Kraftwerkes wird es durch Stollen und Rohrleitungen in die Wasserkraftwerke Dorfhain sowie Tharandt und schließlich in das Wasserwerk Dresden-Coschütz geleitet.
Die beiden Turbinen (Baujahr 1914) sind heute noch funktionstüchtig. Die Generatoren wurden 2015 bzw. 2021 erneuert.
Stromerzeugung/Jahr: 1,2 Mio. kwH (≈ 480 versorgte 3-Personen-Haushalte)
Die Staumauer der zwischen 1908 und 1913 erbauten Talsperre Malter reguliert den Lauf der Roten Weißeritz. Das am Fuße der Staumauer errichtete Kraftwerksgebäude ging 1914 ans Stromnetz. Durch eine unterirdische Rohrleitung strömt das Wasser in die Turbine und danach durch einen 60 m langen Unterwasserkanal zurück ins Flussbett.
Die Francisturbinen der zwei Maschinensätze befinden sich noch heute in einem einwandfreien Zustand. Die Generatoren wurden 2015 erneuert. Seit 1993 arbeitet das Wasserkraftwerk vollautomatisch.
Stromerzeugung/Jahr: 200.000 kwH (≈ 80 versorgte 3-Personen-Haushalte)
Das Wasserkraftwerk Seifersdorf ging 1911 ans Stromnetz. Zuvor stand an dieser Stelle eine Kraftanlage mit Mühlradantrieb. 1931 wurde der ursprüngliche Gleichstromgenerator durch einen Drehstromgenerator ausgetauscht. Heute besteht der Maschinensatz aus einer Kaplanrohrturbine und einem Asynchrongenerator Baujahr 2004.
Das Wasser gelangt über einen 800 m langen Mühlgraben (Obergraben) mit einem Gefälle von 6,8 m in die Anlage und treibt die unter Wasser arbeitende Kaplanrohrturbine an. Durch einen etwa 400 m langen Untergraben fließt das Wasser zurück in das Flussbett. Die erzeugte Spannung wird von 0,4 kV auf 20 kV hochtransformiert, um eine verlustärmere Energieübertragung zu ermöglichen.
Der SachsenEnergie-Erlebnispfad führt an sechs unserer Wasserkraftwerke vorbei. Dort können Sie hautnah erleben, wie Strom erzeugt wird.
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